Aktualisiert: Oktober 2026 | Lesezeit: 22 Min. | Assuan – Kalabsha – Wadi es-Sebua – Amada – Derr – Qasr Ibrim – Abu Simbel | Preis auf Anfrage
Die meisten Ägyptenreisenden sehen von Nubien nur einen Ausschnitt: Sie fahren früh morgens im Konvoi nach Abu Simbel, bleiben zwei Stunden und fahren zurück. Dabei liegt zwischen Assuan und Abu Simbel eine der stillsten und geschichtsträchtigsten Landschaften Ägyptens: der Nassersee, einer der größten Stauseen der Welt. An seinen Ufern stehen Tempel, die vor dem Wasser gerettet wurden – abgetragen, Block für Block versetzt und wiederaufgebaut, in einer der größten Rettungsaktionen der Archäologie.
Diese Route verbindet sie alle: Assuan → Kalabsha → Wadi es-Sebua → Amada → Derr → Qasr Ibrim → Abu Simbel – und Sie können sie auch umgekehrt erleben, von Abu Simbel zurück nach Assuan. In diesem Leitfaden erfahren Sie, was Sie an jeder Station erwartet und wie die Reise praktisch funktioniert.
Wichtig vorab – ehrlich gesagt
Die Tempel von Wadi es-Sebua, Amada und Derr sowie die Festung Qasr Ibrim liegen in der Seenlandschaft und sind praktisch Teil einer Nassersee-Kreuzfahrt (meist 3 bis 4 Nächte). Qasr Ibrim können Sie nur vom Schiff aus sehen – die Stätte ist für Besucher nicht mehr zugänglich. Mit dem Auto sind in der Regel nur Kalabsha (mit Bootsüberfahrt) und Abu Simbel erreichbar. Wir sagen Ihnen das gleich zu Beginn, damit Sie realistisch planen können.
Inhaltsverzeichnis
- Warum es diese Tempel am See gibt
- Die Stationen im Überblick
- Kalabsha, Beit el-Wali und Kertassi
- Wadi es-Sebua
- Amada und Derr
- Qasr Ibrim
- Abu Simbel
- Drei Wege zur Reise
- Beispielprogramm: 5 Tage / 4 Nächte
- Richtung wählen
- Für wen eignet sich die Reise?
- Praktische Tipps
- Preis und Anfrage
- Häufige Fragen
Warum es diese Tempel am See gibt
Mit dem Bau des Assuan-Hochdamms entstand in den 1960er-Jahren der Nassersee – und mit ihm drohte das Wasser, das Niltal Nubiens samt seinen Tempeln zu verschlingen. Unter der Leitung der UNESCO und mit Hilfe vieler Länder wurden die wichtigsten Monumente abgetragen und an höher gelegenen Orten neu errichtet. Heute stehen sie nicht an ihrem ursprünglichen Platz, aber in einer Landschaft, die ihrer Würde entspricht: Wüste, Wasser und weiter Himmel.
Das macht die Reise besonders. Sie sehen nicht nur Pharaonenzeit, sondern auch ein Stück moderne Geschichte: wie die Welt gemeinsam Kulturerbe rettete.
Die Stationen im Überblick
| Station | Epoche / Bauherr | Gottheit | Zugang |
|---|---|---|---|
| Kalabsha | Römerzeit, um 30 v. Chr. | Mandulis | Schiff; ab Assuan auch per Taxi und Motorboot |
| Beit el-Wali | Ramses II. | Opfergaben an die Götter | Bei Neu-Kalabsha |
| Kiosk von Kertassi | Römerzeit | – | Bei Neu-Kalabsha |
| Wadi es-Sebua | Ramses II. (Vizekönig Setau) | Amun-Re, Re-Harachte | Schiff |
| Amada | 18. Dynastie: Thutmosis III., Amenophis II. | Amun-Re, Re-Harachte | Schiff |
| Derr | Ramses II. | Re-Harachte, Amun-Re, Ptah | Schiff |
| Qasr Ibrim | besiedelt von ca. 1000 v. Chr. bis 1813 n. Chr. | – | Nur Blick vom Schiff |
| Abu Simbel | Ramses II.; Kleiner Tempel für Nefertari | Re-Harachte; Hathor | Straße, Flug oder Schiff |
Station 1: Kalabsha, Beit el-Wali und Kertassi
Der erste Halt liegt nahe Assuan auf einer Halbinsel im See. Der Tempel von Kalabsha ist dem nubischen Sonnengott Mandulis geweiht und stammt aus der Römerzeit, um 30 v. Chr., wahrscheinlich auf einem älteren Vorgängerbau. Ursprünglich stand er in Talmis, rund 50 Kilometer weiter südlich, das heute unter Wasser liegt. Für die Rettung wurde er in etwa 13.000 Blöcke zerlegt und 1970 in Neu-Kalabsha mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland wieder aufgebaut – eine Verbindung, die Besucher aus Deutschland oft besonders berührt.
In der Nähe stehen zwei kleinere Monumente: Beit el-Wali, ein Felsentempel aus der Zeit Ramses’ II. mit Reliefs von Opfergaben, und der Kiosk von Kertassi, ein römerzeitlicher Pavillon. Zusammen vermitteln sie in kurzer Zeit einen Eindruck von der nubischen Tempellandschaft – ohne Menschenmassen.



Station 2: Wadi es-Sebua
Wadi es-Sebua heißt übersetzt „Tal der Löwen“ – nach den Sphingen, die den Zugang säumen. Der Tempel wurde unter Ramses II. von seinem Vizekönig Setau errichtet und ist Amun-Re und Re-Harachte geweiht. Er stand ursprünglich rund vier Kilometer weiter westlich und wurde im Rahmen der UNESCO-Aktion (1961–1965) versetzt. Eine kurze Wüstenpiste führt zu den benachbarten Monumenten Maharraqa und Dakka, die sich auf Wunsch mit besichtigen lassen.
Der Charme dieses Ortes liegt in seiner Abgeschiedenheit: Sphingen, Sand und ein Tempel, der halb in den Fels übergeht. Wer Zeit für ein Foto im Abendlicht hat, wird belohnt.





Station 3: Amada und Derr
Der Tempel von Amada gehört zu den ältesten erhaltenen Tempeln Nubiens. Er wurde in der 18. Dynastie unter Thutmosis III. und Amenophis II. begonnen, spätere Herrscher wie Thutmosis IV. ergänzten ihn. Gewidmet ist er Amun-Re und Re-Harachte. Der Tempel wurde rund 2,6 Kilometer landeinwärts an eine höhere Stelle versetzt. Seine fein ausgearbeiteten Reliefs gelten als besonders schön und gut erhalten.
In der Nähe steht der Tempel von Derr, ein Felsentempel Ramses’ II., geweiht Re-Harachte, Amun-Re und Ptah. Er war der einzige nubische Tempel am Ostufer und wurde für die Rettung zum Westufer versetzt. Beide Tempel liegen so nah beieinander, dass sie gut in einem Besuch kombiniert werden.




Station 4: Qasr Ibrim
Qasr Ibrim ist die große Ausnahme der Route: Es wurde nie versetzt und ist die einzige antike nubische Stätte Ägyptens, die noch an ihrem ursprünglichen Ort steht. Früher lag die Festung rund 60 Meter über dem Nil; heute ragt sie als Insel aus dem See. Besiedelt war der Ort von etwa 1000 v. Chr. bis 1813 n. Chr. – fast drei Jahrtausende. Unter Kaiser Augustus diente sie als römische Grenzfestung.
Die Stätte ist für Touristen nicht zugänglich. Auf dem Schiff fahren Sie vorbei und sehen die Silhouette der Festung vom Wasser aus. Ein stiller Moment, der die Vergangenheit eher ahnen als betreten lässt.



Station 5: Abu Simbel
Der Höhepunkt der Route. Ramses II. ließ hier im 13. Jahrhundert v. Chr. zwei Felsentempel errichten: den Großen Tempel mit vier kolossalen Sitzfiguren an der Fassade und den Kleinen Tempel, den er seiner Frau Nefertari widmete, die mit der Göttin Hathor gleichgesetzt wird. Für den Bau des Hochdamms wurden beide Tempel zersägt in rund 1.000 Blöcke, etwa 200 Meter landeinwärts und 65 Meter höher neu aufgebaut (1964–1968) – eine Leistung, die als Wendepunkt für den internationalen Denkmalschutz gilt.
Besonders eindrucksvoll: Zweimal im Jahr, um den 22. Februar und den 22. Oktober, fällt das Morgenlicht bis ins Allerheiligste. Dieses Sonnenfest zieht viele Besucher an. Wer in dieser Zeit reist, sollte früh planen.
Kommen Sie mit dem Schiff, erleben Sie Abu Simbel von der Wasserseite – ein Anblick, den Reisende per Bus nicht haben.






Drei Wege zur Reise
| Variante | Was Sie sehen | Dauer |
|---|---|---|
| Nassersee-Kreuzfahrt | Alle Stationen, Qasr Ibrim vom Schiff, Abu Simbel von der Wasserseite | meist 3–4 Nächte |
| Tagesausflug Abu Simbel | Nur Abu Simbel (Straße ca. 280–290 km, 3–3,5 Std. je Richtung) | 1 Tag, Frühstart |
| Kalabsha-Halbtagesausflug | Kalabsha, Beit el-Wali, Kertassi (Taxi und Motorboot ab Assuan) | Halber Tag |
Für die komplette Route, wie Sie sie suchen, ist die Kreuzfahrt der ehrliche und beste Weg. Wer weniger Zeit hat, kombiniert den Kalabsha-Halbtag mit einem Abu-Simbel-Ausflug oder dem Flug (der Flughafen von Abu Simbel liegt nahe der Tempel). Ob und wie Wadi es-Sebua, Amada und Derr auf dem Landweg besucht werden können, klären wir für Ihre Reisezeit aktuell – die Zugangsregeln können sich ändern.
Beispielprogramm: 5 Tage / 4 Nächte
| Tag | Programm | Nacht |
|---|---|---|
| 1 | Einschiffung in Assuan, Besuch von Kalabsha, Beit el-Wali und Kertassi | Schiff |
| 2 | Wadi es-Sebua (optional Dakka und Maharraqa) | Schiff |
| 3 | Amada und Derr, Vorbeifahrt an Qasr Ibrim | Schiff |
| 4 | Ankunft bei Abu Simbel, Besichtigung der beiden Tempel | Schiff |
| 5 | Ausschiffung, Rückfahrt (Straße ca. 3–3,5 Std.) oder Flug nach Assuan | – |
Beispielablauf. Reihenfolge, Dauer und Anlegestellen hängen vom gewählten Schiff und Fahrplan ab und werden bei der Planung bestätigt.
Richtung wählen: Assuan → Abu Simbel oder umgekehrt
Assuan → Abu Simbel
Der Höhepunkt kommt am Ende: Die Reise steigert sich von kleinen Tempeln zum großen Finale. Rückfahrt oder Rückflug nach Assuan am letzten Tag.
Abu Simbel → Assuan
Sie beginnen mit dem Monument und enden entspannt bei Kalabsha nahe Assuan – praktisch, wenn Sie danach direkt weiterreisen, etwa nach Luxor.
Welche Richtung möglich ist, hängt vom Fahrplan der Schiffe ab; wir stimmen sie mit Ihrer übrigen Reise ab.
Für wen eignet sich die Reise?
- Für Reisende, die Ägypten schon kennen und Neues suchen.
- Für Geschichts- und Archäologie-Fans mit Interesse an Nubien.
- Für alle, die Ruhe, Weite und Wasser lieben.
- Für Gäste, die Abu Simbel nicht im Eiltempo, sondern als Höhepunkt erleben wollen.
Weniger geeignet ist die Reise, wenn Sie lebhafte Städte, Shopping oder Badeurlaub erwarten. Auch die Ausstattung der Schiffe unterscheidet sich je nach Anbieter – wir beraten Sie dazu ehrlich.
Praktische Tipps
- Beste Reisezeit: Oktober bis April. Im Sommer ist es am See sehr heiß.
- Sonnenschutz: Hut, Sonnenbrille und Creme gehören ins Handgepäck – die Tempel liegen offen in der Sonne.
- Festes Schuhwerk: Wege zwischen Anlegestelle und Tempel sind teils sandig.
- Sonnenfest-Termine beachten: Um den 22. Februar und 22. Oktober ist Abu Simbel besonders voll.
- Reisepass mitnehmen: Es gibt Kontrollen auf den Straßen und beim Einschiffen.
- Fahrplan flexibel sehen: Wetter, Wasserstände und Genehmigungen können Änderungen bedeuten.
- Fotografieren: Frühes und spätes Licht sind am schönsten – besonders bei Wadi es-Sebua.
Preis und Anfrage
Preis auf Anfrage
Der Preis hängt von Schiff, Reisezeit, Kabinenart, Dauer und Richtung ab. Wir erstellen Ihnen ein persönliches Angebot – unverbindlich und abgestimmt auf Ihre übrige Ägyptenreise.
Häufige Fragen
Kann man Wadi es-Sebua, Amada und Derr auch mit dem Auto besuchen?
In der Praxis gehören diese Tempel zu den Nassersee-Kreuzfahrten. Ob ein Landzugang für Ihre Reisezeit möglich ist, klären wir bei der Planung, weil sich Regeln ändern können.
Kann man Qasr Ibrim betreten?
Nein. Die Festung ist für Besucher nicht zugänglich. Sie sehen sie bei der Vorbeifahrt vom Schiff aus.
Wie lange dauert die Fahrt von Assuan nach Abu Simbel auf der Straße?
Rund 280 bis 290 Kilometer, etwa 3 bis 3,5 Stunden pro Richtung. Alternativ gibt es Flüge zum Flughafen Abu Simbel.
Warum wurden die Tempel versetzt?
Der Assuan-Hochdamm staute den Nil zum Nassersee auf. Um die Tempel vor dem steigenden Wasser zu retten, wurden sie im Rahmen der UNESCO-Aktion zerlegt und an höheren Orten wiederaufgebaut.
Was kostet die Reise?
Der Preis wird individuell auf Anfrage berechnet. Senden Sie uns Ihre Wünsche über das Formular zur individuellen Reiseplanung.
